Barrierefreies Webdesign - was ist das ?
Wahrscheinlich
geht es Ihnen wie den meisten Nutzern im Internet: Sie haben Begriffe
wie Barrierefreiheit und barrierefreies
Webdesign schon mal gelesen oder gehört, wissen aber
nicht so recht was das bedeutet. Als Betreiber einer Webpräsenz
sollten Sie dem Thema Barrierefreiheit im Internet jedoch zunehmend
Beachtung schenken. Dazu muss zunächst einmal geklärt werden,
was man unter barrierefreiem Internet versteht.
Barrierefreiheit im Internet
Von einer barrierefreien Website spricht man, wenn diese für jeden zugänglich und uneingeschränkt nutzbar (lesbar bzw. wahrnehmbar und bedienbar) ist, unabhängig von körperlichen und/oder technischen Möglichkeiten. Im Gegensatz zu der unter vielen Benutzern verbreiteten Auffassung, dass sich Barrierefreiheit ausschließlich auf Menschen mit körperlichen Behinderungen bezieht, werden die technischen Möglichkeiten des Nutzers hier mit eingeschlossen. Natürlich bleibt ein funktionierender Internetzugang Voraussetzung. Die technische Ausstattung jedoch (wie z. B. DSL oder Modem, PC, PDA oder Handy, Screenreader, Textbrowser oder grafikbasierter Web-Browser etc.) sollte bei barrierefreiem Webdesign keine bzw. nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Auch die Verwendung einer natürlichen Sprache für einen verständlichen, möglichst einfach gehaltenen Inhalt ist eine Voraussetzung für Barrierefreiheit. Die Bedienung und Navigation der Webseiten sollte einfach, verständlich und intuitiv sein.
Barrierefreie Webseiten sind daher auch mit jedem Webbrowser lesbar und bedienbar. Warum das aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass diese Webseiten in jedem Webbrowser auch identisch aussehen, lesen Sie in dem Artikel »Die Sache mit den Browsern und andere Unvorhersehbarkeiten«.
Welchen Nutzen hat barrierefreies Webdesign für den Betreiber ?
Neben dem ehrenwerten Ziel, grundsätzlich Menschen mit körperlichen Einschränkungen den Zugang zu einer Website nicht zu versperren, gibt es aus betriebswirtschaftlicher Sicht noch weitere gewichtige Gründe für barrierefreies Webdesign:
- Menschen mit Behinderungen sind statistisch gesehen überdurchschnittlich häufig online. Ein Grund mehr, diese Menschen als attraktive Zielgruppe zu berücksichtigen. Auch die stark anwachsende Generation der konsumfreudigen »Best Ager« (Menschen mit einem Lebensalter ab 50 Jahren) und der Migranten wird durch ein Webdesign, das abnehmende Reaktionsfähigkeit, nachlassendes Sehvermögen und einfache Sprache berücksichtigt, besser erreicht.
- Die Suchmaschinen im Internet nehmen Websites ähnlich wahr wie sehbehinderte Menschen. Suchmaschinen sind quasi blind für das grafische Gerüst einer Webseite und werten in erster Linie Texte aus. Eine barrierearme Webseite bietet also von Haus aus schon die beste Basis für weitergehende Suchmaschinenoptimierungen.
- Da die konsequente Trennung von Inhalt und Design Voraussetzung für barrierefreie Webseiten ist, wird der Pflegeaufwand der Webseiten automatisch reduziert (s. Webdesign nach Webstandards). Das bedeutet für Sie geringere Kosten durch eine zukunftssichere Technologie.
Ist vollkommene Barrierefreiheit überhaupt machbar ?
Der englische Fachbegriff für barrierefreies Internet, die Web Accessibility, beschreibt eigentlich genauer das dahinterstehende Anliegen: die Zugänglichkeit von Websites zu optimieren. Eine 100%ige Barrierefreiheit kann es natürlich nicht geben. Webseiten sind besser oder schlechter zugänglich und daher ist es wohl eindeutiger, von Barrierearmut als von Barrierefreiheit zu sprechen.
Die Hindernisse auf dem Weg zu einer barrierearmen Website
Was ist denn nun im Einzelnen zu berücksichtigen, um eine Webseite möglichst barrierefrei zu gestalten? Wir wollen an dieser Stelle nicht zu sehr in technische Details gehen, aber dennoch einige der wichtigsten Hürden und damit Gründe für ein barrierarmes Webdesign erläutern.
Sehbehinderungen: Skalierbarkeit, Farben und Leseprogramme
Viele Menschen leiden unter diversen Sehbehinderungen. Daher ist die mögliche Anpassung der Schriftgröße im Browser (Skalierbarkeit der Schrift) unerlässlich. Um Farbfehlsichtigkeiten entgegenzutreten sollte ein ausreichender Kontrast insbesondere der Texte vor dem jeweiligen Hintergrund gegeben sein. Erfahrungsgemäß ermüdet heller Text vor dunklem Hintergrund mehr als dunkler Text auf hellem Hintergrund. Blinkende und animierte Texte sind zu vermeiden.
Tipp:
Wie sieht eine Webseite eigentlich für jemanden mit Farbenblindheit aus ? Es gibt verschiedene Online-Tools im Internet, mit denen man sich einmal annäherungsweise in die Situation von Betroffenen hineinversetzen kann. Beim Colorblind Web Page Filter lassen sich beispielsweise diverse Farbfehlsichtigkeiten online simulieren. Einfach die gewünschte URL (Adresse einer Internetseite) mit vorangestelltem http://www. eingeben, einen Filter wählen und die Simulation mit dem Button starten.
Blinde Menschen verschaffen sich durch Screenreader (Bildschirmleseprogramme) Zugang zum Internet. Texte und Bedienelemente werden damit akustisch durch Sprachausgabe oder durch Braillezeilen (Geräte, welche den Bildschirminhalt in Blindenschrift darstellen) dem Blinden vermittelt. Ein gut strukturierter Text ist Voraussetzung, um auf diese Art Inhalte von Webseiten zu vermitteln. Bilder und Grafiken sind für Blinde nicht zugänglich und sollten - soweit sie inhaltlich relevant sind - mit Textinformationen (sogenannte »alternative Texte«) hinterlegt werden. Ganze Textpassagen als Grafik darzustellen versperrt Blinden aber auch Suchmaschinen den Zugang zu Ihrer Website.
Tipp:
Der Textbrowser LYNX (ein Webbrowser, der nur die Texte einer Webseite anzeigt und alle Grafiken und Skripte ignoriert) wird von Blinden häufig als Screenreader genutzt. Die Firma Yellowpipe bietet auf ihrer Website eine entsprechende Textbrowser-Simulation an. Ist die »Botschaft« der von Ihnen gewählten Internetseite jetzt noch zweifelsfrei erkennbar?
Motorische Einschränkungen - »Aus die Maus«
Personen, die aufgrund motorischer Störungen nur schwer eine Maus bedienen können, müssen mit der Tastatur eine Website navigieren. Dabei findet in erster Linie die Tabulatortaste Verwendung, mit welcher sich der Benutzer durch die Navigation, Links, Formularelemente etc. einer Webseite bewegen kann. Diese Elemente sollten dafür in einer strukturierten Reihenfolge ansteuerbar sein. Es muss leicht erkennbar sein, welches Element gerade den Fokus hat, d.h. welche Aktion bei Betätigung der Return-Taste aktiviert wird.
Eine weitere Möglichkeit eine Webseite mit der Tastatur zu bedienen bietet die Vergabe sogenannter Accesskeys (Zugangstasten) durch den Webdesigner. Mittels dieser Tastaturkürzel ist es möglich, Tastaturkombinationen für den direkten Zugriff auf verschiedene Elemente einer Webseite (z. B. die Navigation) zu schaffen. Leider erfordern die so vergebenen Accesskeys jedoch abhängig vom verwendeten Browser teils völlig unterschiedliche Handhabungen bzw. Tastenkombinationen. Und da jeder Webbrowser auch noch unterschiedliche Tastaturkürzel für seine eigenen Menüs unterstützt (drücken Sie doch mal die Tasten Alt + D), stehen letztlich fast keine wirklich »sicheren« Tastaturkombinationen zur Verfügung, die auch tatsächlich das bewirken, was gut gemeint angedacht war. Ich habe daher auf diesen Seiten einen anderen Weg gewählt; nähere Informationen zur Tastaturbedienung finden Sie bei den Bedienungshinweisen.
Barrierefreiheit mit und ohne Javascript
Javascript ist die meistgenutzte Programmiersprache auf Webseiten. Mittels Javascript können auf Websites Interaktionen und Effekte bewerkstelligt werden, die nur mit (X)HTML und CSS nicht möglich sind. Einige Benutzer lassen die Ausführung von Javascripten bewusst nicht zu, Textbrowser ignorieren diese von Haus aus und viele wissen gar nicht, dass man diese Technologie im Webbrowser deaktivieren kann. Fakt ist: Javascript widerspricht keineswegs dem Konzept barrierefreier Webseiten und kann wertvolle Dienste leisten (z. B. beim Ausfüllen von Formularen). Aber eine Webseite muss auch mit abgeschaltetem Javascript einwandfrei funktionieren. Das betrifft in erster Linie die Navigation, welche auf vielen Websites immer noch mit via Javascript gesteuerten Grafiken gestaltet wird.
Auch diese Website benutzt Javascripte. Diese unterstützen z. B. das Verankern und den Klappmechanismus des »Akkordeons« (der rechten Navigationsbox). Die grundsätzliche Funktionsweise und Navigation dieser Seiten sollte jedoch auch ohne Javascript gegeben sein.
Tipp:
Besser ausprobieren als einfach glauben. Unter dem Browser Mozilla Firefox können Sie z. B. schnell unter Extras -> Einstellungen -> Inhalt das Häkchen bei JavaScript aktivieren einfach mal wegnehmen, mit dem Button OK quittieren und anschliessend die Seite neu laden. Sieht ein bisschen anders aus, sollte aber alles noch funktionieren, oder? (Wenn nicht, bitte E-Mail an mich.) Bei den anderen Browsern geht das natürlich entsprechend auch; beim Internet Explorer muss allerdings der Rechner danach neu gestartet werden.
Fazit: barrierearmes Webdesign macht Sinn und lohnt sich
Es gibt noch viele andere Dinge in Sachen Barrierefreiheit zu berücksichtigen. Und natürlich gibt es auch jede Menge Vorschriften gemäß einer Verordnung des Bundes (BITV = Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung) in Ergänzung des Behindertengleichstellungsgesetzes. Pflicht ist das Ganze nicht; nur Webauftritte des Bundes und Angebote, die sich speziell an Behinderte richten, müssen die Anforderungen erfüllen - und die Liste der Anforderungen ist lang und nicht immer ohne weiteres einzuhalten.
Dennoch - wenn auch nicht alle dort aufgeführten Kriterien immer einzuhalten sind: das Bestreben sollte grundsätzlich sein, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Und das wollen wir im Internet doch eigentlich alle, oder?
Externe Links zum Thema barrierefreies Webdesign:
- Das deutsche Portal für Barrierefreies Webdesign
- pro Barrierefreiheit bietet Informationen zur Barrierefreiheit im Internet für Entwickler und Entscheider
- Ein umfassender Artikel zum Thema Barrierefreiheit von Michael Jendryschik
- Wikipedias Artikel zum Thema Barrierefreies Internet
- Einfach für Alle - eine Initiative der Deutschen Behindertenhilfe - Aktion Mensch e.V.
- Umfassend, aber leider nur englischsprachig informiert das W3C auf den Seiten der Web Accessibility Initiative (WAI)
